Interview mit Jigme Rinpoche im Mai 2016 - infinite compassion

Interview mit Jigme Rinpoche im Mai 2016

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Fragen an Jigme Rinpoche in Renchen-Ulm, Bodhi Path Zentrum:

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Zur Organisation „Infinite Compassion“

– Was war die Intention von Shamar Rinpoche Infinite Compassion zu gründen?

Jigme Rinpoche: Shamar Rinpoche gründete IC für Kinder aus armen Verhältnissen und für Tiere. Ihm war es wichtig, dass Kinder eine Ausbildung erhalten, die sich ihre Eltern für sie sonst nicht leisten können. Gleichzeitig kann ein Teil dieser Kinder auch den Weg eines Buddhistischen Lehrers einschlagen, der die Lehre erhält und in die Welt trägt. Dafür wurde z.B. neben der Diwakar Grundschule in Takdah, Darjeeling/Indien auch die weiterführende Diwakar Academy in Kalimpong/Indien gegründet. An dieser Schule können die jungen Erwachsenen einen zertifizierten Abschluss erzielen und international als Buddhistische Lehrer unterrichten.

Shamar Rinpoche lag ebenfalls am Herzen, dass sich Infinite Compassion dafür einsetzt, Tiere zu retten und zu schützen. In vielen Ländern gibt es sehr viel Tierquälerei, besonders für Schlachttiere. Wenn sie getötet werden, dann sollten sie zumindest nicht noch zusätzliche Qualen erleiden, das war Rinpoche besonders wichtig. Es sollte über eine „humanere“ Art der Schlachtung nachgedacht werden, die dann möglichst auch eingeführt wird.

Zum Projekt Diwakar Grundschule in Takdah

– Weshalb ist der Neubau, bzw. eine Vergrößerung nötig geworden? 

Jigme Rinpoche: Derzeit gibt es nur ein kleines Haus, welches nicht dafür ausgelegt ist, dass die Schüler dort unterrichtet werden können und auch noch übernachten. Dafür ist der Platz einfach nicht ausreichend. Durch das Erdbeben 2010 wurde auch noch ein Teil des kleinen Gebäudes beschädigt, so dass dringende Reparaturen anfielen. Das Erdbeben in Nepal 2015 hatte zur Konsequenz, dass sich die Anzahl der Schüler fast verdoppelte: Inzwischen leben 150 Kinder armer Familien oder auch Waisen dort – weitere 20 werden in nächster Zeit aus Nepal erwartet.

– Welche Ausbildung ist für die Schüler nach Abschluss der Grundschule möglich?

Jigme Rinpoche: Die meisten gehen nach Kalimpong zur weiterführenden Diwakar Academy und erwerben dort einen zertifizierten Abschluss nach etwa 10 Jahren Studium. Allerdings steht es den Schülern auch frei nach der Grundschule ihren eigenen Weg zu gehen und eine andere Ausbildung zu beginnen.

– Wofür werden die Spenden derzeit so dringend benötigt?

Jigme Rinpoche: Am dringendsten werden Nahrungsmittel und Medikamente für die Kinder benötigt. Kleidung brauchen sie zwar auch, aber nur gemäß Saison ca. zweimal im Jahr.

– Bisher gibt es nur junge Mönche in den Schulen. Wann ist ein Projekt mit Mädchen vorgesehen?

Jigme Rinpoche: Sobald jemand gefunden ist, der vor Ort das neue Projekt bei Kalimpong leitet, können wir mit dem Bau einer Schule für Mädchen starten. Ein Bauplatz ist bereits seit ca. 10 Jahren vorhanden. Wenn das Projekt beginnt, werden sicherlich sofort Mädchen kommen, da es großen Bedarf gibt. Mädchen müssen oft im Haushalt mithelfen. Eher erhalten die kleinen Jungen eine Ausbildung, wenn es den Eltern finanziell möglich ist.

Zum Projekt Sharminub

– Warum wurde gerade dieser Ort dafür ausgewählt?

Jigme Rinpoche: Der Ort Sharminub im Nagarjuna Park, wunderschön am Berg gelegen mit Blick auf Kathmandu, ist ein heiliger Ort.

– Welche Möglichkeiten bietet das neue Institut für Laien und Mönche?

Jigme Rinpoche: Studium, Vorträge, 3- oder 10 Jahres-Retreats, außerdem Kurzzeit-Retreats für Laien – voraussichtlich ab 2017. Außerdem ist Sharminub eine wichtige Pilgerstätte für Buddhisten: Es wird auch eine Stupa mit Reliquien des 14. Shamar Rinpoche geben.

Nach den Retreats sind Lamas qualifiziert, in den verschiedenen Buddhistischen Zentren der Welt den Dharma zu lehren.

– Welche Lehrer/Lamas werden dort unterrichten und Vorträge halten?

Jigme Rinpoche: H.H. Gyalwa Karmapa Thaye Dorje wird dort unterrichten, aber auch andere hohe Lamas. Karmapa ist die Referenzperson dieses Instituts sowie er es auch im KIBI in Delhi ist.

– Welchen Unterschied gibt es zum KIBI in Delhi?

Jigme Rinpoche: Es gibt keinen Unterschied, man bekommt in beiden Instituten das selbe Lehrangebot. Der Vorteil im Sharminub Institut ist, dass es vom Klima her ganzjährig belegt werden kann. Das KIBI ist vom sehr heißen Sommer ziemlich beeinträchtigt und nicht wirklich nutzbar für Studien . Demnach finden von April bis August kaum Veranstaltungen dort statt. Es wird in Sharminub auch Teachings geben, die vergleichbar sind mit dem „Public Course“ im KIBI (eine Woche Belehrungen und Einweihungen durch Karmapa, Anm. der Redaktion).

Der Zeitpunkt der Fertigstellung des Projekts ist noch nicht klar, da insgesamt noch eine Million Dollar fehlt, bis das Institut eröffnet werden kann.

Zum Projekt Khango in Tibet

– Wie ist das Khango Projekt entstanden, weshalb an diesem Ort?

Jigme Rinpoche: Dieser Ort ist der Geburtsort vom 16. Karmapa sowie von Shamar Rinpoche und mir. Zwei Khenpos baten Shamar Rinpoche um Hilfe, da sie dort im Kloster bereits Kinder unterrichteten, aber dringend auf Hilfe angewiesen waren, für die Verpflegung, gute Unterbringung etc. für die Kinder. Die Schüler stammen aus sehr armen Familien aus dem Umkreis und hätten daher keine Chance auf Bildung.

– Ist es nur eine Grundschule oder auch eine weiterführende Schule?

Jigme Rinpoche: Es ist nur eine Grundschule, die fünf Jahre dauert. Im Alter von 6-9 Jahren beginnen sie normalerweise mit der ersten Klasse, je nachdem wann sich ein freier Platz für das Kind ergibt. Danach können sie auf eine weiterführende Schule gehen. Normalerweise müssen Kinder armer Familien arbeiten gehen, um etwas zum Überleben beizutragen. Manche Eltern halten Schulbildung leider immer noch für unnötig und meinen, dass ihre Kinder genau wie sie ungebildet sehr früh arbeiten sollten um ein ebensolches Leben zu führen wie sie selbst.

– Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es im Anschluss?

Jigme Rinpoche: Eine weiterführende Schule (secondary school) wäre als nächstes Projekt geplant, sobald sich jemand findet, der es vor Ort leiten und die Verantwortung tragen wird. Man darf dort nicht komplett neu bauen (keine Baugenehmigung), aber man darf alte Gebäude renovieren.

 


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